Fallgeschichten Heuschnupfen und Allergien

Absetzen von Antiallergika: Das solltest du wissen

Wenn ich mich für eine Allergiebehandlung mit einer Patientin zusammenzuarbeite, ist weise ich schon bei unserem Erstgespräch schon darauf hin, dass verschreibungspflichtige Medikamente ohne Rücksprache mit dem Arzt nicht abgesetzt werden sollen.
Warum auch das Absetzen von freiverkäuflichen Medikamenten mit Bedacht erfolgen sollte, habe ich als bei der Allergiebehandlung dieser Patientin eindrucksvoll erlebt.

Heuschnupfenbehandlung: business as usual

Vor einigen Wochen hatte ich eine Allergiepatientin und alles war so wie immer:
Ich behandelte, die Patientin fühlt sich gut …. bis sie ihre Antiallergika absetzte …

Heuschnupfen: weg. Juckreiz: da.

Verstopfte Nase nach Absetzen des Antiallergikums. Woher kommt’s?

Und prompt wirkte meine Behandlung bei der Patientin nicht mehr. Dachte ich jedenfalls erst vollkommen frustriert, denn ihre Nase war wieder verstopft – und zusätzlich juckte ihre Haut am ganzen Körper wie bei einer Nesselsucht (medizinischer Begriff: Urtikaria). Auch ihre Bronchien waren belegt.

Auf der Suche nach der Ursache

Ein Bär hat Juckreit und kratzt sich an einem Baum.
Mein Mann ohne sein Allergiemittel. Wer kennt’s noch?

Und ich ärgerte mich und überlegt hin und her: Was war hier schief gegangen, dass meine Arbeit bei ihr nicht wie gewohnt wirkte?

Dann machte es irgendwann „Klick“:
Mir fiel ein, dass auch mein Mann in der Vergangenheit Probleme hatte, wenn er mit seinem Allergiemedikament aufhören wollte.
Bis jetzt ging ich immer davon aus, dass er zu der Allergie zusätzlich eine Urtikaria entwickelt hatte, bei der ich nur lindernd, aber nicht heilend, tätig werden konnte.

Aber jetzt kam ich in’s Grübeln: Warum verschwindet bei dieser Patientin eine Allergie, um dann mit veränderten Symptomen einige Tage später wiederzukehren?

Und warum war das bei meinem Mann ähnlich?

Des Rätsels Lösung für die Allergiesymptome

Also gab ich bei meinem Allzeitorakel Google meine Suchanfrage ein:
„Absetzen von Ceterizin“ „Nebenwirkungen“ – und Bingo! – Google enttäuschte mich nicht: 64.000 Suchergebnisse wurden angezeigt. Gleich zu Beginn fielen die Begriffe Urtikaria (Nesselsucht) und Pruritus (Juckreiz).

(Also Notiz an mich selber: In Zukunft immer genau überprüfen, ob es Symptome der Allergie geht, oder um andere Ursachen, wenn Allergiesymptome scheinbar nicht verschwinden.)

Und woher kommen nun der Juckreiz und die verstopfte Nase?

Doch was ist der Grund für diesen Effekt? Ist Ceterizin nun automatisch ein „böses, schulmedizinisches Medikament“, bei dem „gierige Pharmaunternehmen“ den Suchtfaktor gleich miteinbauen, um für Folgeumsatz zu sorgen?

Nein, es ist viel einfacher.
Und der Grund für diese Reaktionen ist sogar richtig klasse:
Unser Körper ist unfassbar anpassungsfähig und willens, sich selbst zu heilen und zu helfen!

Denn die Mittel gegen Heuschnupfen und andere Allergien sind sogenannte „Antihistaminika“ (bzw. als Einzelpraparat „Antihistaminikum“). Diese sollen die Wirkung des körpereinenen Botenstoffs Histamin unterdrücken. Was kurzfristig gegen die allergischen Symptome hilft, aber unangenehme Langzeitfolgen haben kann.

Doch der Reihe nach:
Wenn unser Körper in Kontakt mit Allergenen kommt, reagiert er mit der Ausschüttung von Histamin. Das ist ein Neurotransmitter , das für die allergischen Reaktionen verantwortlich ist.
Antiallergika sorgen für das Ausbleiben dieser Reaktionen, indem sie statt des Histamins an unseren dafür vorgesehen Rezeptoren andocken.

Unser Körper aber versucht, einen Ausgleich zur Wirkung der Antiallergika zu schaffen:
Er reagiert mit der Produktion von zusätzlichen Rezeptoren, um die gleichen Reaktionen wie vor der Antiallergikagabe zu erreichen.
Denn jetzt kann wieder mehr Histamin andocken – und für die aus Sicht unseres Körpers so wichtigen Reaktionen sorgen.
Dieser Effekt ist übrigens auch der Grund, warum oft nach einer gewissen Zeit die Gabe der Antihistaminika (= Antiallergika) nicht mehr reicht und erhöht werden muss. Wenn es ganz dumm läuft, kommen dann irgendwann noch Cortison per Tabletten oder Spritzen dazu.

Wenn jetzt das Antiallergikum abgsetzt wird, kommt es zu massiven allergischen Reaktionen, weil auf einmal einmal ganz viele freie Reptoren zur Verfügung stehen.

Rebound-Effekt – auch beim Absetzen von Antiallergika!

Im Fachjargon heißt dieses Phänomen übrigens Rebound-Effekt.

Achtung: Dieser Effekt tritt nur nach langem Gebrauch auf!!! Wer also Allergieprobleme hat und sich anders nicht zu helfen weiß, dürfte nach Rücksprache mit seinem Arzt ohne Bedenken vorübergehend zu den Tabletten greifen können. (Ohne Gewähr, ich bin kein Arzt!)

Auch Wikipedia sagt etwas zum Rebound-Effekt. Bitte hier nachlesen.
Der Rebound-Effekt tritt übrigens auch bei Magensäurehemmern, Blutdrucksenkern und Beruhigungsmitteln auf. Egal ob per Tabletten oder als Nasenspray.

Wenn nun die Antiallergika abgesetzt werden, bieten die erhöhte Rezeptoranzahl den freigesetzten Botenstoffen (Histamin) nun überreichlich Andockstellen. Und promt schießen auch die allergischen Reaktionen hoch.
Die gute Nachricht: Mit der Zeit nehmen die vermehrten allergischen Symptome aufgrund des Rebound-Effekts wieder ab. Denn unser Körper ist in der Lage, sich auf die neue Situation einzustellen. Mit der Zeit werden also die Rezeptoren wieder vermindert. Bis sich der Kreislauf aber wieder von alleine regulieren kann, dauert es einige Zeit.

Und was hilft nun sofort gegen Juckreiz und Co.?

Wundgekratzt? Das muss nicht sein.

Ein Patentrezept kann ich leider auch nicht bieten. Aber da die Entzungssymptome von zu hoher Histaminwirksamkeit herrühren, ergibt es Sinn, nach „Histaminintoleranz“ zu googeln. Besonders bei Nora Hodeige wurde ich fündig. Sie hat super Hinweise für Betroffene, insbesondere dieser Beitrag hat es mir angetan.

Happy End bei meiner Patientin

Bei meiner Patientin half die zusätzliche Gabe von Zink (das hatten wir zuvor kinesiologisch als optimale Maßnahme ausgetestet) und das langsame Ausschleichen statt radikalem Absetzen: Sie nahm einfach die halbe Dosis (Tablettenteiler sind etwas Feines…), wenn sie die Symptome allzusehr nervten. Auf diese Weise war sie nach etwa einer Woche beschwerdefrei.
Seitdem hat sie weder allergische Symptome, noch benötigt sie Antiallergika.

Was ich noch dringend loswerden möchte

Ich sehe Medikamente ganz pragmatisch als Mittel zum Zweck an.
Denn es kann keine Lösung sein, zu leiden und sich bescheiden zu fühlen, nur um Medikamente zu vermeiden. Letztendlich geht es um unsere Lebensqualität, und wenn dafür schulmedizinische Medikamente nötig sind, dann muss es halt sein.
Allerdings haben Medikamente auch unerwünschte Wirkungen.
Und daher versuche ich persönlich, so wenig wie möglich zu nehmen.

Autor

Hallo, ich bin Bettina. Ich helfe Menschen dabei, ihre Allergien loszuwerden, egal ob Heuschnupfen, Hausstaubmilben oder Nahrungsmittel. Damit sie das unternehmen (und essen) können, wann und was sie wollen. Mit meiner Familie samt unserer Hündin Ember lebe ich in einem Dorf im Weserbergland, einem Pollen-Eldorado vom Feinsten. Und damit war dann mein Praxisschwerpunkt "Allergiebehandlung" unausweichlich vorprogrammiert.

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