Fachliches

Was ist der Unterschied zwischen einer Heilpraktikerin und einer Kinesiologin?

Ich selbst bin Heilpraktikerin (Psychotherapie) UND Kinesiologin. Sind jetzt alle Kinesiologen Heilpraktiker? Oder können alle Heilpraktiker kinesiologisch behandeln? Nö. Außer, dass beide im Bereich der Gesundheitsversorgung anzutreffen sind, haben sie nur wenige Gemeinsamkeiten. Hier eine Gegenüberstellung.

Die Kinesiologie ist eine Therapiemethode

Die Kinesiologie ist eine Methode, die in den 1970er Jahren ihre Anfänge hat. Chiropraktiker in den USA (dort ein 5-jähriges Vollzeitstudium, also bitte nicht mit den deutschen Chiropraktikern gleichsetzen!) wurden auf bestimmte Körperphänomene aufmerksam (allen voran: Muskeln verlieren unter Stress kurzzeitig an Kraft). Aus dieser Beobachtung entwickelten sie den Muskeltest (hier mehr zu meinem etwas anderen Test) und unterschiedliche Methoden, um ihn optimal zu nutzen. Heute wird er eingesetzt bei kinesiologisch arbeitenden Therapeuten, den Kinesiologen, bei der Lerntherapie, in der Physiotherapie und der Psychotherapie.

Ausbildung zur Kinesiologin

Da „Kinesiologie“ und „Kinesiologe“ keine geschützten Begriffe sind, darf sich jeder so nennen. Dementsprechend gibt es auch keine vorgeschriebene Ausbildung für Kinesiologen. Von der DGaK (Deutsche Gesellschaft für angewandte Kinesiologie) gibt es aber empfohlene und vorgeschriebene Lehrgänge mit Mindeststundenzahl und Selbsterfahrung, die zu absolvieren sind, bevor Kinesiologen deren Label als Qualitätsnachweis tragen dürfen. Auch gibt es eine Prüfung für das höchste Ausbildungslevel der DGaK.
Allerdings findet diese Prüfung nicht unter staatlicher Aufsicht statt, sondern wird von den Ausbildungsinstituten selbst abgenommen. Und auch wenn die mir bekannten Schulen sich sehr um Qualität und Integrität bemühen, bleibt für mich ohne neutrale Aufsicht ein fader Nachgeschmack.

Selbstverständnis und Arbeitsauffassung

Kinesiologen HEILEN nicht. Sie BALANCIEREN den aus dem Gleichgewicht geratenen Körper, sodass dieser sich wieder selbst heilen kann. (Das kann unser Körper aber so unfassbar gut, dass erstaunliche Erfolge erzielt werden können.)
Dabei ist der Klient selbstwirksam, eigenverantwortlich und mit dem Therapeuten auf Augenhöhe. Wir geben lediglich Hilfestellung, damit er sich selber helfen kann.

Weil nicht die einzelne Maßnahme „heilt“, sondern nur „in Balance bringt“, gibt es viele Möglichkeiten, wie sich Laien mit kinesiologischen Techniken, gerne unter Anleitung von ausgebildeten Kinesiologen, selber helfen können. Hier einige Beispiele:

  • Touch4Health (die kinesiologische „Hausapotheke“ für den Laien und eine der ältesten Kinesiologiemethoden)
  • Brain Gym („Lernkinesiologie“)
  • Angewandte Kinesiologie (Für diese Ausbildung ist tatsächlich eine medizinische Vorbildung nötig: nur Physiotherapeuten, Ärzte und Heilpraktiker dürfen an ihr teilnehmen.)
  • Entwicklungskinesiologie (u. a. die theoretische Basis von Brain Gym, samt ergänzender Übungen; Anleihen aus der Psychotherapie)
  • Edu-Kinestetik
  • Psychokinesiologie, z. B. nach Dr. Klinghardt („Alte psychische Trauma sorgen später für körperliche Symptome.“ – Hier erkläre ich auf meine typische Art meinen Ansatz zum Thema.)

Typische Begriffe aus der kinesiologischem Praxis

Als Kinesiologin bin ich immer etwas unsicher, ob ich Patienten, Klienten oder Kunden habe. Das ist oft von dem einzelnen Kinesiologen und seiner Methode abhängig. Daher arbeiten Kinesiologen oft mit neutralen Begriffen wie „das Gegenüber“ oder der/die Balancierte“.
Wenn ich jemanden habe, den ich balanciere, mache ich oft „Challenges“, um zu schauen, ob der Muskel beim kinesiologischen Muskeltest hält.
Überhaupt stehen Kinesiologen oft auf englische, bzw. amerikanische Begriffe, weil so in den Ausbildungen unterrichtet. Kein Wunder, die Kinesiologie hat ja auch ihren Ursprung in den USA.
Die Klassiker: Element, Meridian, Stress Release, Balance, Challenge, Unterenergie, Überenergie.
Die liebsten Organe des Kinesiologen sind das Gehirn und der Magen.

Kosten einer kinesiologischen Balance

Kinesiologen haben meistens eine einfache Preisordnung mit zwei Preisen: einmal die Kosten für eine Balance. Und vielleicht noch die Kosten für eine Reihe von Balancen. Dabei dauern die Behandlungen immer ca. 45 bis 90 Minuten, je nach Therapeut. Eine Balance kostet zwischen 50,– und 150,– EUR. (Ja, ich weiß, das ist eine große Spannbreite, aber genauer geht es als allgemeine Auskunft nunmal nicht. Bitte frag bei der Kinesiologin deines Vertrauens nach ihrem Preismodell, wenn du es genauer haben willst.)

Kinesiologinnen müssen von dir selbst bezahlt werden. Weder die gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV, z. B. AOK, DAK, Techniker, Barmer, diverse BKKs) noch die privaten (Zusatz-)Krankenversicherungen (PKV, z. b. DKV, HUK, LVM) übernehmen die Kosten.

Heilpraktiker (HP): Woher kommt der Begriff?

Der Begriff „Heilpraktiker“ kommt aus der Zeit des Nationalsozialismus und geht auf das Heilpraktikergesetz von 1939 zurück. Damals versuchen die Nazis die Heiler, Knochenbrecher und weisen Frauen (nicht jeder konnte sich damals einen Arzt leisten) auszurotten oder zumindest zu reglementieren. Vordergründing sollte damit die „Volksgesundheit“ gefördert werden. „Rein zufällig“ war damit aber gleichzeitig ein neues Instrument der Kontrolle installiert worden.

Wer darf Heilpraktiker werden?

Formale Voraussetzungen:

  • keine Vorstrafen (nachzuweisen durch ein qualifiziertes Führungszeugnis)
  • Gesundheitszeugnis
  • Mindestalter 25 Jahre
  • Hauptschulabschluss (Dazu solltest du wissen, dass das Heilpraktikergesetz von 1939 ist und seitdem nicht reformiert wurde. Damals war ein Hauptschulabschluss sehr viel mehr wert als heute.)
  • deutsche Staatsbürgerschaft

Prüfung

Für meine Prüfung musste ich einen Antrag beim Gesundheitsamt des Landkreises stellen. Alles Weitere wurde vom Gesundheitsamt des Landes Niedersachsen organisiert. Nur wer die schriftliche Prüfung besteht (ca. 70% der Prüflinge), wird zur mündlichen eingeladen. Diese findet vor einem Amtsarzt und mehreren Beisitzern statt. Hier wird den Prüflingen nochmal ordentlich auf den Zahn gefühlt. So fallen letztendlich insgesamt ca. 50 % – 90 % (!) der Prüflinge durch, darunter auch top Physiotherapeuten und anderweitig medizinisch Vorgebildete. Die Durchfallquote ist letztendlich abhängig von der Qualität des Durchgangs, Art des HP (s. u.) und der Prüfungskommission (glauben zumindest die durchgefallenen Prüflinge). Hier mehr zur Prüfung (für Niedersachsen).

Dabei besteht trotz umfangreicher Angebote für die Prüfungsvorbereitung von vielen Heilpraktikerschulen bis auf wenige Ausnahmen keine Pflicht, bestimmte Kurse zu belegen. Die Ausbildung ist also derzeit noch ungeregelt.

Prüfung bestanden? Das sind die Vorteile als Heilpraktiker.

Wer die Prüfung bestanden hat, wird als HP mit ein paar Vorteilen gegenüber den Kinesiologen belohnt:

  • Heilpraktiker gehören zu den freien Berufen und darüber hinaus zu den Heilberufen. Dadurch ergeben sich einige Steuererleichterungen (die allerdings erst ab einer für Heilpraktiker selten zu erreichenden Summe ins Gewicht fallen).
  • Heilpraktiker gehören zu den heilenden Berufen. (Fun Fact: Originellerweise dürfen sie aber keine Werbung dafür machen, dass sie heilen. Das ist nämlich laut Heilmittelwerbegesetz zum Schutz der Patienten verboten – auch wenn niemand, auch kein Arzt oder Pharmaunternehmen, Heilung versprechen kann, weil es in dem Bereich einfach keine Garantie gibt.)
  • Heilpraktiker dürfen in einigen Bundesländern Rezepte für freiverkäufliche Medikamente ausstellen (das ist dann interessant, wenn ihre privatversicherten Patienten die Kosten dafür erstatten lassen wollen).

Heilpraktiker-Pflichten

  • unterliegen der Schweigepflicht
  • dürfen keine Heilkunde im Umherziehen praktizieren, benötigen also einen festen Praxissitz (allerdings sind Hausbesuche gestattet)
  • und müssen ihrer Dokumentationspflicht nachkommen

Weiterhin müssen sie den Patienten aufklären über

  • den Gesundheitszustand bzw. die Art der Erkrankung
  • die Behandlungsmethode und deren voraussichtliche Dauer
  • die zur Verfügung stehenden Behandlungsalternativen
  • die Belastungen, Risiken und Erfolgschancen der Therapie

Behandlungskosten bei Heilpraktikern

Heilpraktiker haben häufig ein großes Tätigkeitsspektrum mit vielen verschiedenen Behandlungsmethoden. Dementsprechend bieten die meisten HPs Preise für Einzelleistungen, Behandlungspakete u. ä. an. Eine Erstuntersuchung oder gründlicher Check-up mit Laborkosten kann dabei in den mittleren dreistelligen Bereich gehen. Dafür kostet die Injektion einer Nährstofflösung oft unter 20,– EUR. Mein Tipp: Immer VORHER nach den auftretenden Kosten fragen. HPs haben zur Orientierung die GeBüH (Gebührenordnung für Heilpraktiker). Das ist das, was die privaten Krankenversicherungen erstatten. Sie sind aber nicht gezwungen, sich an diese Gebührenordnung zu halten. (Ehrlich gesagt, macht das auch keinen Sinn, weil die empfohlenen Gebühren 1985 festgelegt wurden und seitdem nicht mehr aktualisiert wurden.)

Heilpraktiker werden nicht von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen und müssen von dir privat bezahlt werden. Je nach Vertrag übernimmt evtl. die PKV die Kosten, manchmal auch nur teilweise.
Unter ganz bestimmten Voraussetzungen gibt es manchmal die Möglichkeit, einen Teil doch von der GKV erstattet zu bekommen. Das gilt beispielsweise bei der osteopathischen Behandlung oder bei Psychotherapie. Dazu frag aber am besten deinen HP VOR der Behandlung.

Verschiedene Heilpraktiker-Arten

Zusätzlich zum „großen“ Heilpraktiker gibt es noch sogenannte sektorale Heilpraktiker, die nur auf bestimmten Gebieten tätig werden dürfen:

  • der Heilpraktiker, beschränkt auf Physiotherapie
  • der Heilpraktiker, beschränkt auf Psychotherapie (nicht zu verwechseln mit Psychotherapeuten!)
  • der Heilpraktiker, beschränkt auf Podologie (Fußpflege)

Ich selber bin Heilpraktikerin (Psychotherapie). Das heißt, ich darf nur im Bereich der Krankheiten der Klasse F des ICD 11 („International Classes of Disease“) behandeln, das sind die psychischen Krankheiten und Verhaltensstörungen. Daher behandle ich die psychischen Ursachen von Schmerzen, im Gegensatz zu den Schmerzen selbst. Und so ist auch gleich klar, dass ich die falsche Person bin, wenn du einen Hexenschuss hast und nun „mal eben“ wieder fit werden willst. Dagegen solltest du überlegen, mich zu kontaktieren, wenn du chronische Krankheiten wie Allergien oder andere immer wiederkehrende gesundheitliche Probleme hast und die Ursachen (zumindest, wenn sie keine nachvollziehbaren körperlichen Gründe haben) endlich in den Griff bekommen willst.

Fachtermini aus der Heilpraktikerpraxis

Als Heilpraktikerin habe ich Patienten oder Klienten, die ich behandle. Gerne arbeite ich mit den Begriffen meiner jeweiligen Therapiemethode (gerne amerikanisch, chinesisch oder indisch). Oder ich bleibe im deutschen oder lateinischen Sprachbereich, um den medizinischen Aspekt zu betonen. (Vermutlich bekomme ich jetzt ordentlich Ärger, aber ich kann mir den Begriff nicht verkneifen: „Möchtegernarzt“. Und ja, ich gehöre mit meinem Latinum auch zu denjenigen, die lateinische oder deutsche Begriffe ansprechender finden. 😀)
Zum HP-Bullshit-Bingo gehören auch Begriffe wie Darmsanierung, Darmflora, Akupunktur, das Chi muss wieder zum Fließen gebracht werden, Umstimmungstherapie, den Körper wieder ins Gleichgewicht bringen, Übersäuerung, niedrige und hohe Potenzen.

Die liebsten Organe sind Herz und Darm (Darm-Gehirn-Achse oder das Herz als zweites Gehirn: yeah!)

Gemeinsamkeiten von Kinesiologen oder Heilpraktikern (Achtung: Ironie! 😉)

Sowohl der Kinesiologe als auch der Heilpraktiker geht davon aus, dass der Mensch nur einen „Anstupser“ braucht, um sich wieder selbst heilen zu können. Zumindest bei den meisten Krankheiten. Die natürlich keine Krankheiten sind, sondern vielmehr der Versuch unseres Körpers, uns etwas mitzuteilen und/oder einen Ausgleich oder Ventil für körperliche oder seelische Ungleichgewichte zu schaffen. (Sogar ein umgeknickter Fuß ist ein Zeichen dafür, dass wir uns übernommen haben und unser Körper/Geist/Seele uns zur Ruhe zwingen will.)

Außerdem sind beide etwas angenervt, wenn ihnen dauernd fehlende Wirksamkeit oder mangelhafte Kenntnisse unterstellt werden. (Denn es liegt natürlich nur an den seit Jahren eingesetzten und nun endlich wirkenden schulmedizinischen Therapien, wenn es dem Patienten endlich besser geht. Der Besuch beim Kinesiologen oder HP einige Tage zuvor spielt natürlich keine Rolle.)
Perfekt, wenn du bei diesen Berufsgruppen zielsicher Stimmung machen willst: Das Verantwortungsbewusstsein infrage stellen, nur weil man mit anderen Methoden arbeitet als die Schulmediziner.

Beide haben weiterhin überhaupt keine Lust, sich wie kassenärztlich zugelassene Ärzte in ein System pressen zu lassen, neiden denen aber gerne mal den Status und das Einkommen.

Kinesiologe vs. Heilpraktiker: Wer ist besser?

Um dir die Entscheidung, wer für dich der oder die Richtige ist, zu erleichtern, habe ich jetzt eine ganze Menge zu den für dich wichtigen Unterschieden (aber ohne Anspruch auf Vollständigkeit 🤷🏼‍♀️)geschrieben. Falls du dich jetzt immer noch fragst, zu wem DU gehen solltest, hier ein paar letzte Ideen von mir:

  • Es gibt nicht DIE allgemeingültig beste Wahl. Letztendlich geht es darum, wer FÜR DICH am besten ist.
  • Wenn du die Möglichkeit hast, die Kosten für den Heilpraktiker von deiner privaten Versicherung erstattet zu bekommen, würde ich mich an deiner Stelle nach jemanden umsehen, der (auch) HP ist. Außerdem ist der Weg zum HP sehr viel anspruchsvoller als der zur Kinesiologin, das Label „Heilpraktiker“ spricht also für eine gewisse Qualität.
  • Trotzdem ganz pragmatisch: Du hast nichts von Qualitätslabeln und Kostenerstattungen, wenn dir vom HP nicht weitergeholfen wird. Und nur, weil eine Kinesiologin keine staatliche Prüfung abgelegt hat, heißt das nicht, dass sie nicht einen super Job macht!
  • Also würde ich, wie so häufig im Leben, auf vertrauenswürdige Weiterempfehlungen achten und direkten Kontakt mit dem potenziellen Helfer aufnehmen und checken, ob du dich mit ihr/ihm wohlfühlst. Du wirst mit einem Heilpraktiker oder Kinesiologen enger zusammenarbeiten und mehr Zeit verbringen als mit einem Arzt. Daher finde ich das Zwischenmenschliche super wichtig, zumal Entspannung und ein sicheres Gefühl massiv zur Heilung beitragen.
  • Und natürlich: Wenn du ein Problem mit deiner Kopfhaut hast, dürfte ein Fußspezialist nicht der richtige Ansprechpartner für dich sein. Daher frag ruhig nach, ob die Person sich mit deinem Thema auskennt. (Hier übrigens der Link zu einem Kennenlerngespräch per Zoom mit mir.)
Bettina Luther sind lächelnd vor einem Busch.

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Autor

Hallo, ich bin Bettina. Ich helfe Menschen dabei, ihre Allergien loszuwerden, egal ob Heuschnupfen, Hausstaubmilben oder Nahrungsmittel. Damit sie das unternehmen (und essen) können, wann und was sie wollen. Mit meiner Familie samt unserer Hündin Ember lebe ich in einem Dorf im Weserbergland, einem Pollen-Eldorado vom Feinsten. Und damit war dann mein Praxisschwerpunkt "Allergiebehandlung" unausweichlich vorprogrammiert.

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